Es gibt in unserem modernen Leben erstaunlich viele Dinge, die wir morgen erledigen wollen. Sport zum Beispiel. Die Steuererklärung. Den Keller. Und die Datensicherung.
Vor allem die Datensicherung.
Morgen ist dafür ein ausgezeichneter Tag. Morgen ist überhaupt ein tüchtiger Tag. Er hat Platz für alles, wozu wir heute keine Lust haben. Nur kommt er leider stets als Heute daher – und dann hat man wieder anderes zu tun.
Ein Backup ist vermutlich die erwachsenste Handlung, zu der ein Mensch im 21. Jahrhundert fähig ist. Es ist vernünftig, unspektakulär und macht keinerlei Freude. Schon deshalb wird es so selten gemacht.
Stattdessen vertraut man auf die Technik.
Das ist rührend.
Daten verschwinden nicht. Sie verabschieden sich
Eine Festplatte kann jahrelang zuverlässig arbeiten. Sie summt, blinkt und vermittelt jenen stillen Ernst, den früher nur Bankbeamte besaßen.
Dann macht sie eines Morgens: Klonk.
Mehr sagt sie nicht.
Auf ihr lagen die Buchhaltung, die Fotos der Enkel, sämtliche Briefe seit 2004 und jene eine Datei, die man unbedingt noch gebraucht hätte.
Nun liegen sie immer noch dort. Man kommt nur nicht mehr heran. Das ist ungefähr so beruhigend wie die Mitteilung, das Geld sei keineswegs weg – es befinde sich lediglich in einem verschlossenen Tresor, dessen Schlüssel ins Meer gefallen ist.
Auch Handys haben Charakter. Sie fallen bevorzugt ins Wasser, wenn sie besonders viele ungesicherte Fotos enthalten. Das ist keine Bosheit. Es ist Dramaturgie.
Und dann gibt es noch den Menschen.
Er sitzt vor dem Computer und wird gefragt:
„Möchten Sie diese Dateien wirklich endgültig löschen?“
Der Mensch denkt kurz nach.
Dann klickt er auf „Ja“.
Nicht weil er es möchte. Sondern weil das Fenster im Weg ist.
Ohne Backup wird Technik zur Charakterprüfung
Man sagt, in der Not zeige sich der wahre Mensch.
Wer einmal ohne Datensicherung vor einem schwarzen Bildschirm gesessen hat, weiß: Dieser wahre Mensch ist nicht unbedingt jemand, den man näher kennenlernen möchte.
Zunächst kommt das Staunen.
Dann das Klicken.
Dann stärkeres Klicken.
Dann wird der Computer ausgeschaltet, wieder eingeschaltet und beschimpft. Schließlich ruft man jemanden an und sagt den berühmten Satz:
„Ich habe eigentlich gar nichts gemacht.“
Dieser Satz gehört zu den großen Klassikern der Computergeschichte.
Mit einem Backup verläuft dieselbe Katastrophe erheblich kultivierter. Der Rechner stirbt, die Festplatte schweigt, Windows blickt ins Leere – und der Besitzer sagt:
„Ach. Dann spielen wir eben die Sicherung zurück.“
Das ist keine Tapferkeit. Das ist Vorsorge.
Gelassenheit lässt sich manchmal tatsächlich kaufen. Für erstaunlich wenig Geld.
Der Erpresser und die ungerührte Kopie
Besonders hübsch wird die Sache bei Schadsoftware, die sämtliche Dateien verschlüsselt und anschließend Geld verlangt.
Auf dem Bildschirm erscheint eine Nachricht: Zahlen Sie, oder Ihre Daten bleiben verschwunden.
Wer kein Backup besitzt, liest das mit jener Aufmerksamkeit, die man sonst nur ärztlichen Befunden und Testamenten schenkt.
Wer dagegen eine saubere, getrennt aufbewahrte Sicherheitskopie besitzt, kann sich zurücklehnen. Die Erpresser dürfen verschlüsseln, drohen und rote Totenköpfe zeigen. Irgendwo liegt das Backup und denkt:
„Machen Sie nur.“
Damit ist die Verhandlung beendet, bevor sie begonnen hat.
Ein gutes Backup ist das digitale: „Mit mir nicht.“
Wichtig ist allerdings, dass diese Kopie nicht ständig am Computer hängt. Sonst verschlüsselt der Erpresser sie gleich mit. Verbrecher sind nicht immer sympathisch, aber häufig gründlich.
Für neue Handys ist Geld da. Für Sicherheit fehlen fünf Minuten
Es gibt Menschen, die kaufen jedes Jahr ein neues Smartphone, weil dessen Kamera Hauttöne nun noch naturgetreuer wiedergibt. Anschließend fotografieren sie damit dreitausendmal das Leben – und sichern kein einziges Bild.
Das Gerät kostet tausend Euro.
Die Erinnerung ist unbezahlbar.
Das Backup wäre beinahe kostenlos.
Gespart wird am Backup.
Man könnte das für Satire halten. Leider ist es Buchführung.
Eine Kopie ist gut. Zwei sind besser. Drei sind beinahe vernünftig
Wer seine Daten wirklich behalten möchte, sollte sie nicht nur einmal besitzen.
Eine Sicherung gehört auf eine externe Festplatte. Eine weitere an einen anderen sicheren Ort oder in einen seriösen Cloudspeicher. Und mindestens eine Kopie sollte vom Computer getrennt sein.
Denn auch eine Sicherungsplatte kann kaputtgehen. Sie ist schließlich eine Festplatte und damit nicht tugendhafter als ihre Verwandten.
Man sollte ein Backup außerdem regelmäßig prüfen. Eine Datensicherung, die sich nicht wiederherstellen lässt, ist kein Backup. Sie ist Hoffnung mit Kabel.
Der kleine Unterschied
Ein Backup verhindert keinen Defekt.
Es verhindert keinen falschen Klick.
Es hält weder Kaffee vom Laptop fern noch das Handy vom Spülbecken. Es macht den Menschen nicht klüger und die Technik nicht zuverlässiger.
Es sorgt lediglich dafür, dass eine kleine Panne eine kleine Panne bleibt – und nicht plötzlich das Familienarchiv, die Firma und die letzten zwanzig Jahre gemeinsam beerdigt werden müssen.
Backups sind wie Zahnarztbesuche: Niemand freut sich darauf. Niemand berichtet beim Abendessen begeistert davon. Doch wer rechtzeitig dort war, behält länger, was ihm wichtig ist.
Ein Backup ist keine Heldentat.
Es ist nur das, was der Held gern vorher getan hätte.
Schon oft haben wir zu diesem wohl wichtigsten Thema der Computerei in unserem BLOG geschrieben:
Die einen haben ein Backup. Die anderen hatten Daten.
