Die Weisheit der Dakota-Indianer lautet:
„Wenn du erkennst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab!“
Seit geraumer Zeit wird dieser treffende Satz auch in der IT gerne bemüht. Und selten passt er besser als bei der Frage, wie lange man an einem alten oder schwer angeschlagenen technischen Gerät noch herumreparieren sollte.
Denn genau hier beginnt häufig das Problem.
Viele Menschen möchten nicht akzeptieren, dass ein Computer, ein Notebook, ein Drucker oder ein anderes technisches Gerät irgendwann tatsächlich am Ende angekommen ist. Irgendetwas müsse doch noch zu machen sein. Vielleicht könne man noch etwas austauschen, neu installieren, zurücksetzen, reinigen, optimieren oder irgendwie überlisten.
Technisch ist tatsächlich erstaunlich vieles möglich.
Die entscheidende Frage ist aber eine andere:
Ist es auch noch sinnvoll? Und bezahlbar?
Auch wir beim PCDOKTOR mussten das erst lernen.
Früher haben wir manchmal zu lange versucht, einen Rechner doch noch zu retten. Man sucht einen Fehler, probiert etwas aus, tauscht ein Bauteil, startet neu, installiert Software, überprüft die Festplatte, untersucht das Betriebssystem – und irgendwann sind zwei oder drei Stunden vergangen.
Am Ende funktioniert das Gerät vielleicht trotzdem nicht zuverlässig.
Dann bekommt der Kunde eine Rechnung über mehrere Arbeitsstunden und fragt völlig zu Recht:
„Aber hätten Sie das nicht vorher wissen müssen?“
Natürlich kann kein Techniker jeden Fehler im Voraus exakt beurteilen. Gerade bei komplizierten Defekten weiß man häufig erst nach einer gewissen Diagnose, wo das eigentliche Problem steckt.
Aber Erfahrung verändert die Sache.
Nach mehr als drei Jahrzehnten Computerreparatur erkennen wir inzwischen wesentlich schneller, wann die Aussichten schlecht sind. Man bekommt ein Gefühl dafür, wann ein Gerät noch eine vernünftige Chance hat – und wann man gerade dabei ist, sehr viel Arbeitszeit in ein totes Pferd zu investieren.
Deshalb sagen wir heute wesentlich früher:
Stopp. Das lohnt sich wahrscheinlich nicht mehr.
Vielleicht wäre eine Reparatur theoretisch noch möglich. Vielleicht könnte man noch weitere Stunden suchen. Vielleicht findet man am Ende sogar den Fehler.
Aber wenn bereits am Anfang abzusehen ist, dass die Reparatur mehrere hundert Euro Arbeitszeit verschlingen kann, während der Erfolg unsicher bleibt und das Gerät anschließend trotzdem technisch alt ist, muss ein seriöser Techniker das sagen.
Und zwar nicht hinterher.
Sondern möglichst am Anfang.
Wir sagen unseren Kunden deshalb inzwischen auch ganz offen:
„Das kann sehr viel Zeit kosten. Die Aussichten auf Erfolg sind gering. Ich würde Ihnen nicht empfehlen, hier noch weiter Zeit und Geld hineinzustecken.“
Das ist manchmal keine angenehme Nachricht.
Denn viele Menschen hängen an ihren Geräten. Auf dem Rechner befinden sich vertraute Programme, Einstellungen und Daten. Man kennt ihn seit Jahren, weiß, wo alles liegt, und möchte sich nicht mit etwas Neuem beschäftigen.
Das ist verständlich.
Aber genau deshalb braucht es jemanden, der nicht nur fragt, ob er noch etwas reparieren kann, sondern ob er es überhaupt noch reparieren sollte.
Denn irgendwann entsteht eine gefährliche Spirale.
Man hat bereits 150 Euro investiert, also möchte man nicht aufgeben. Dann kommen weitere 100 Euro dazu. Nun hat man schon 250 Euro ausgegeben und will erst recht weitermachen.
Das bereits ausgegebene Geld wird damit zum Argument für die nächste Ausgabe.
Und irgendwann steht man vor einem alten Computer, in den 400 oder 500 Euro geflossen sind, der aber immer noch alt und klapprig bleibt.
Dann wäre eine Neuanschaffung möglicherweise schon längst die vernünftigere Lösung gewesen.
Genau darin besteht heute ein wichtiger Teil unserer Beratung.
Ein guter Techniker muss nicht beweisen, dass er jeden Rechner irgendwie wieder zum Laufen bekommt.
Er muss auch den Mut haben zu sagen:
„Nein. Hier hören wir auf.“
Denn kein erfahrener Techniker möchte am Ende vom Kunden hören:
„Jetzt haben Sie drei Stunden herumprobiert, eine hohe Rechnung geschrieben – und nun sagen Sie mir, dass ich einen neuen Computer brauche. Das hätten Sie mir auch gleich sagen können.“
Und da hat der Kunde nämlich recht.
Deshalb gehört zur Erfahrung eines guten Technikers nicht nur das Wissen, wie man etwas repariert.
Mindestens genauso wichtig ist die Erfahrung, wann man nicht mehr repariert.
Dann sichert man die Daten, überlegt gemeinsam, welches neue Gerät sinnvoll ist, übernimmt Programme und Einstellungen und sorgt dafür, dass der Umstieg möglichst schmerzlos funktioniert.
Das ist keine Niederlage.
Das ist vernünftige Technikberatung.
Oder, um es mit der alten Dakota-Weisheit zu sagen:
Wenn du erkennst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab!
