Es gibt technische Lösungen, die bleiben, obwohl das Problem längst verschwunden ist. Unsere Tastatur ist ein besonders schönes Exemplar dieser Gattung.
Schauen Sie einmal nach links oben:
Q W E R T Z.
Warum stehen die Buchstaben eigentlich so merkwürdig herum?
Die Antwort ist über 150 Jahre alt und besteht aus kleinen Metallhebeln.
Der Mensch war schneller als die Maschine
In den 1860er-Jahren arbeitete der Amerikaner Christopher Latham Sholes an einer brauchbaren Schreibmaschine.
Drückte man eine Taste, schnellte ein Metallhebel mit dem entsprechenden Buchstaben gegen ein Farbband und aufs Papier.
Klack.
Dann musste der Hebel wieder zurück.
Das Problem begann, als die Menschen schneller tippen lernten.
Wurden bestimmte Buchstaben zu rasch hintereinander angeschlagen, konnten sich die Typenhebel ins Gehege kommen. Sie verhakten sich, klemmten und konnten sich im ungünstigen Fall sogar verbiegen.
Die Schreibmaschine kapitulierte vor dem schnellen Schreiber.
Also experimentierten Sholes und seine Mitstreiter mit der Anordnung der Buchstaben. Ein wichtiger Gesichtspunkt dabei war, die Mechanik so zu organisieren, dass problematische Typenhebel möglichst selten miteinander kollidierten.
Daraus entwickelte sich um 1873 das QWERTY-System.
Nicht, wie gerne erzählt wird, um Menschen absichtlich langsam schreiben zu lassen.
Der Mensch sollte nicht langsamer werden. Die Maschine sollte nur mit ihm fertigwerden.
Dann passierte etwas viel Wichtigeres
QWERTY setzte sich durch.
Remington baute die Maschinen. Firmen kauften sie. Schreibschulen unterrichteten sie. Millionen Menschen lernten die Anordnung auswendig.
Und irgendwann war QWERTY nicht mehr deshalb richtig, weil es technisch notwendig war.
Es war richtig, weil alle es benutzten.
Dafür gibt es einen wunderbaren Begriff:
Pfadabhängigkeit
Pfadabhängigkeit bedeutet: Eine Entscheidung aus der Vergangenheit bestimmt unsere Gegenwart weiter, obwohl der ursprüngliche Grund für diese Entscheidung längst verschwunden ist.
Je mehr Menschen einen Standard benutzen, desto schwieriger wird es, ihn zu ersetzen.
Andere Tastaturanordnungen mögen ergonomischer oder logischer sein. Das spielt irgendwann keine große Rolle mehr.
Denn dann müssten Millionen Menschen umlernen, Hersteller ihre Tastaturen ändern, Schulen anders unterrichten und Unternehmen ihre Gewohnheiten aufgeben.
Und Gewohnheiten sind bekanntlich äußerst robuste Bauteile.
Das Problem ist tot. Die Lösung lebt.
Die mechanischen Schreibmaschinen verschwanden.
Die Typenhebel verschwanden.
Das Farbband verschwand.
Dann kamen elektrische Schreibmaschinen, Computer, Laptops, Tablets und Smartphones.
Heute kann sich beim Tippen kein Typenhebel mehr verhaken, weil überhaupt keiner mehr da ist.
Aber die Buchstaben liegen noch immer dort, wo man sie einst auch wegen dieser Typenhebel hingelegt hat.
In Deutschland wurde aus QWERTY lediglich QWERTZ – Y und Z wurden vertauscht, Umlaute kamen hinzu.
Der Stammbaum blieb derselbe.
Und so sitzen wir heute vor Computern mit künstlicher Intelligenz, Hochleistungsprozessoren und Glasfaseranschluss – und tippen auf einer Buchstabenordnung, deren Wurzeln bis in die Mechanik des 19. Jahrhunderts reichen.
Das ist Pfadabhängigkeit in ihrer schönsten Form:
Die Typenhebel sind seit Jahrzehnten verschwunden.
Aber aus Rücksicht auf sie wissen wir noch heute, wo das Q steht.
QWERTY – die Tastatur, die ihre eigene Ursache überlebt hat
Es gibt technische Lösungen, die bleiben, obwohl das Problem längst verschwunden ist. Unsere Tastatur ist ein besonders schönes Exemplar dieser Gattung.
Schauen Sie einmal nach links oben:
Q W E R T Z.
Warum stehen die Buchstaben eigentlich so merkwürdig herum?
Die Antwort ist über 150 Jahre alt und besteht aus kleinen Metallhebeln.
Der Mensch war schneller als die Maschine
In den 1860er-Jahren arbeitete der Amerikaner Christopher Latham Sholes an einer brauchbaren Schreibmaschine.
Drückte man eine Taste, schnellte ein Metallhebel mit dem entsprechenden Buchstaben gegen ein Farbband und aufs Papier.
Klack.
Dann musste der Hebel wieder zurück.
Das Problem begann, als die Menschen schneller tippen lernten.
Wurden bestimmte Buchstaben zu rasch hintereinander angeschlagen, konnten sich die Typenhebel ins Gehege kommen. Sie verhakten sich, klemmten und konnten sich im ungünstigen Fall sogar verbiegen.
Die Schreibmaschine kapitulierte vor dem schnellen Schreiber.
Also experimentierten Sholes und seine Mitstreiter mit der Anordnung der Buchstaben. Ein wichtiger Gesichtspunkt dabei war, die Mechanik so zu organisieren, dass problematische Typenhebel möglichst selten miteinander kollidierten.
Daraus entwickelte sich um 1873 das QWERTY-System.
Nicht, wie gerne erzählt wird, um Menschen absichtlich langsam schreiben zu lassen.
Der Mensch sollte nicht langsamer werden. Die Maschine sollte nur mit ihm fertigwerden.
Dann passierte etwas viel Wichtigeres
QWERTY setzte sich durch.
Remington baute die Maschinen. Firmen kauften sie. Schreibschulen unterrichteten sie. Millionen Menschen lernten die Anordnung auswendig.
Und irgendwann war QWERTY nicht mehr deshalb richtig, weil es technisch notwendig war.
Es war richtig, weil alle es benutzten.
Dafür gibt es einen wunderbaren Begriff:
Pfadabhängigkeit
Pfadabhängigkeit bedeutet: Eine Entscheidung aus der Vergangenheit bestimmt unsere Gegenwart weiter, obwohl der ursprüngliche Grund für diese Entscheidung längst verschwunden ist.
Je mehr Menschen einen Standard benutzen, desto schwieriger wird es, ihn zu ersetzen.
Andere Tastaturanordnungen mögen ergonomischer oder logischer sein. Das spielt irgendwann keine große Rolle mehr.
Denn dann müssten Millionen Menschen umlernen, Hersteller ihre Tastaturen ändern, Schulen anders unterrichten und Unternehmen ihre Gewohnheiten aufgeben.
Und Gewohnheiten sind bekanntlich äußerst robuste Bauteile.
Das Problem ist tot. Die Lösung lebt.
Die mechanischen Schreibmaschinen verschwanden.
Die Typenhebel verschwanden.
Das Farbband verschwand.
Dann kamen elektrische Schreibmaschinen, Computer, Laptops, Tablets und Smartphones.
Heute kann sich beim Tippen kein Typenhebel mehr verhaken, weil überhaupt keiner mehr da ist.
Aber die Buchstaben liegen noch immer dort, wo man sie einst auch wegen dieser Typenhebel hingelegt hat.
In Deutschland wurde aus QWERTY lediglich QWERTZ – Y und Z wurden vertauscht, Umlaute kamen hinzu.
Der Stammbaum blieb derselbe.
Und so sitzen wir heute vor Computern mit künstlicher Intelligenz, Hochleistungsprozessoren und Glasfaseranschluss – und tippen auf einer Buchstabenordnung, deren Wurzeln bis in die Mechanik des 19. Jahrhunderts reichen.
Das ist Pfadabhängigkeit in ihrer schönsten Form:
Die Typenhebel sind seit Jahrzehnten verschwunden.
Aber aus Rücksicht auf sie wissen wir noch heute, wo das Q steht.
