Warum WordPress? Weil eine Internetseite kein unverrückbares Denkmal ist
Als wir 2001 begannen, Internetseiten mit FRONTPAGE zu erstellen, waren diese Seiten und deren Verlinkungen statisch. Das klang schon damals solider, als es war.
Eine neue Telefonnummer? Mussten wir per Hand ändern. Ein zusätzliches Foto? Mussten wir einbauen. Der Kunde wollte aus „Herzlich willkommen“ lieber „Guten Tag“ machen? Auch dafür brauchte er uns als Agentur. Für die Werbeagentur und andere Dienstleister im Bereich Werbung und Homepage war das ein gutes Geschäftsmodell, für den Kunden eine Art digitale Vormundschaft – und für beide auf Dauer lästig.
Eine Internetseite war damals ein bisschen wie eine Schaufensterscheibe: Der Besitzer durfte hineinschauen, aber wenn etwas verändert werden sollte, musste der Glaser kommen und alles aufwändig und komplett umbauen.
Zum Glück kamen die Content-Management-Systeme, kurz CMS. Nach einigen Versuchen und den üblichen Begegnungen mit Software, die alles versprach und schon beim zweiten Menüpunkt beleidigt zusammenbrach, entschieden wir uns 2005 für WordPress.
Dabei ist es geblieben. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil WordPress bis heute etwas kann, was in der Computerwelt keineswegs selbstverständlich ist: Es lässt sich benutzen.
WordPress ist Open Source
WordPress gehört nicht irgendeinem Konzern, der morgens die Preise erhöht, mittags die Bedingungen ändert und abends beschließt, dass eine bewährte Funktion nun nicht mehr gebraucht wird.
Die Software ist Open Source. Der Programmcode ist öffentlich zugänglich, darf verwendet, verändert und erweitert werden. Für WordPress selbst fallen keine Lizenzgebühren an. Bezahlt werden müssen natürlich Dinge wie Domain, Webhosting, Gestaltung, Einrichtung, Wartung und gegebenenfalls bestimmte Erweiterungen. Kostenlos bedeutet eben nicht, dass sich die Arbeit nachts von allein erledigt.
WordPress erschien 2003 und betreibt nach Angaben des Projekts inzwischen mehr als 43 Prozent aller Websites. Damit ist es längst kein kleines Blogprogramm mehr, sondern das weltweit meistgenutzte System zum Veröffentlichen von Internetseiten.
Hinter WordPress steht eine große internationale Gemeinschaft aus Entwicklern, Gestaltern, Übersetzern und Anwendern. Deshalb gibt es für beinahe jede vernünftige Aufgabe bereits eine Lösung – und leider auch für manche unvernünftige.
Schreiben, ohne Programmierer zu sein
Mit WordPress lassen sich kinderleicht Texte, Bilder, Videos und Audiodateien veröffentlichen, ohne dass man vorher PHP, HTML, JavaScript und CSS studiert haben muss.
Wer mit einer Textverarbeitung umgehen kann, findet sich nach einer gewissen Einarbeitung auch in WordPress zurecht. Seiten können angelegt, Beiträge geschrieben, Bilder eingefügt und Veröffentlichungen vorbereitet werden. Mehrere Mitarbeiter lassen sich mit unterschiedlichen Rechten ausstatten: Der eine darf schreiben, der andere veröffentlichen und der Dritte alles kaputtmachen. Letzterer heißt in der Regel Administrator.
Natürlich ist WordPress nicht vollkommen selbsterklärend. Keine umfangreiche Software ist das. Aber der Betreiber einer Website kann viele alltägliche Änderungen selbst erledigen, ohne wegen jedes Kommas bei der Agentur anrufen zu müssen.
Und wenn er nicht selbst Hand anlegen möchte, kann er es selbstverständlich weiterhin erledigen lassen. Freiheit bedeutet schließlich auch, etwas nicht selbst tun zu müssen.
Vom kleinen Blog bis zur Firmenwebsite
WordPress begann als System für Blogs. Heute lassen sich damit private Internettagebücher, Vereinsseiten, Firmenauftritte, Magazine, Portfolios, Veranstaltungsseiten und Onlineshops betreiben.
Erweiterungen – bei WordPress heißen sie Plugins – ergänzen beispielsweise:
- Kontaktformulare,
- Bildergalerien,
- Veranstaltungskalender,
- Newsletter,
- Reservierungen,
- Mitgliederbereiche,
- Suchmaschinenfunktionen,
- Datensicherungen
- und Onlineshops.
Das ist die große Stärke von WordPress. Es muss nicht von Anfang an alles können. Die Website kann mit den Aufgaben wachsen.
Allerdings sollte man Plugins nicht sammeln wie andere Leute Porzellanfiguren. Jede zusätzliche Erweiterung kann Fehler, Sicherheitslücken oder Konflikte verursachen. Installiert wird deshalb nur, was wirklich gebraucht und regelmäßig gepflegt wird. Eine Website ist kein Abstellkeller.
Inhalt und Aussehen bleiben getrennt
Ein großer Vorteil von WordPress ist die weitgehende Trennung von Inhalt und Gestaltung.
Texte, Seiten und viele Einstellungen liegen in einer Datenbank. Das Aussehen wird vor allem durch das sogenannte Theme bestimmt. Soll die Website nach einigen Jahren moderner werden, müssen deshalb nicht sämtliche Texte neu eingegeben werden. Man tauscht oder überarbeitet das Theme und verwendet die vorhandenen Inhalte weiter.
Ganz so mühelos wie ein Hemdenwechsel ist ein neues Layout allerdings nicht immer. Individuelle Funktionen, alte Erweiterungen oder besondere Seitengestaltungen können Nacharbeit erfordern. Aber das Grundprinzip bleibt vernünftig: Der Inhalt ist nicht untrennbar mit seiner Verpackung verheiratet.
Und das ist gut so. Mancher Inhalt überlebt schließlich mehrere Moden. Das kann man von manchem Webdesign nicht behaupten.
Mag Google WordPress?
Es wird gern behauptet, Google möge WordPress. Das klingt hübsch, ungefähr so, als säßen Google und WordPress sonntags gemeinsam beim Kaffee.
Richtiger ist: WordPress bringt gute technische Voraussetzungen für Suchmaschinen mit. Saubere Seitenstrukturen, verständliche Internetadressen, Überschriften, Bildbeschreibungen und zusätzliche SEO-Werkzeuge lassen sich vergleichsweise einfach einrichten. WordPress selbst bezeichnet das System als bereits in der Grundausstattung suchmaschinenfreundlich.
Ein gutes System ersetzt aber keine guten Inhalte. Google belohnt keine Website allein deshalb, weil darunter WordPress arbeitet. Entscheidend bleiben nützliche Texte, klare Strukturen, kurze Ladezeiten, eine vernünftige Darstellung auf Smartphones und regelmäßige Pflege.
Wer nichts zu sagen hat, wird auch mit einem SEO-Plugin nicht plötzlich zum Brockhaus.
WordPress braucht Pflege
An dieser Stelle endet die Werbebroschüre und das wirkliche Leben beginnt.
WordPress wird regelmäßig aktualisiert. Das gilt ebenso für Themes und Plugins. Diese Aktualisierungen müssen eingespielt, kontrolliert und vorher möglichst gesichert werden. Auch sichere Passwörter, ein ordentliches Hosting und regelmäßige Backups gehören dazu.
Eine WordPress-Sicherung muss sowohl die Datenbank als auch die Dateien umfassen. Wer nur einen Teil davon sichert, besitzt im Ernstfall vielleicht die Texte, aber keine Bilder – oder die Bilder, aber keine Website. Das ist dann zwar kein vollständiger Untergang, aber doch ein ziemlich gründlicher Montagmorgen.
WordPress selbst wird von einem eigenen Sicherheitsteam betreut und laufend weiterentwickelt. Doch eine veraltete Installation mit zwölf vergessenen Plugins wird dadurch nicht automatisch vernünftig. Auch ein gutes Auto verlangt gelegentlich nach Öl, Bremsen und jemandem, der nachsieht.
Warum also WordPress?
Weil WordPress offen, flexibel und weitverbreitet ist. Weil Kunden ihre Inhalte selbst bearbeiten können, aber nicht müssen. Weil sich kleine Seiten ebenso damit umsetzen lassen wie größere Firmenauftritte. Und weil man nicht auf einen einzelnen Hersteller oder eine exotische Speziallösung angewiesen ist, die drei Jahre später nur noch von einem Herrn in Bielefeld verstanden wird, der inzwischen Ziegen züchtet.
WordPress ist nicht perfekt. Es braucht Pflege, Sachverstand und ein wenig Ordnung. Aber es gibt seinen Betreibern etwas zurück, das bei Computersystemen gern vergessen wird: die Hoheit über die eigenen Inhalte.
Eine Website sollte schließlich für ihren Besitzer arbeiten – und nicht der Besitzer für seine Website.
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