Die USA waren für Europa lange so etwas wie der große Bruder mit Kreditkarte, Flugzeugträger und Software-Abo. Unter Donald Trump wirkt dieser große Bruder allerdings zunehmend launisch. Heute freundlich, morgen Zoll, übermorgen Sanktion, dann wieder irgendeine Idee aus der Hüfte.
Gleichzeitig merkt man: Unser digitales Leben hängt ziemlich stark an amerikanischen Konzernen. Microsoft, Apple, Google, Amazon, Meta, Netflix, PayPal – sie sind überall. Auf dem Computer, im Handy, im Fernseher, beim Einkaufen, beim Bezahlen und beim Nachrichtenverschicken.
Ganz ohne US-Technik zu leben, ist für normale Menschen kaum machbar. Wer Windows, iPhone, Android, WhatsApp und Amazon auf einen Schlag abschafft, hat danach vermutlich erst einmal kein souveränes Europa, sondern schlechte Laune.
Aber kleine Schritte gehen. Ohne Drama. Ohne Selbstkasteiung. Ohne Jutebeutel-Ideologie.
1. Nicht alles bei Amazon kaufen
Amazon ist bequem. Das ist ja gerade das Problem. Trotzdem gibt es andere Händler: Otto, Thalia, MediaMarkt, Saturn, Conrad oder viele Fachhändler. Ein Blick auf Idealo oder Geizhals zeigt oft: Amazon ist nicht immer billiger. Manchmal ist es nur schneller im Kopf.
2. Mediatheken statt Dauer-Abo
Netflix, Prime und Apple TV+ sind nett. Aber ARD, ZDF und Arte haben inzwischen sehr ordentliche Mediatheken. Filme, Serien, Dokus, Kultur, Krimis, sogar Sachen ohne Mord im Wald. Bezahlt ist das Ganze über den Rundfunkbeitrag ohnehin schon.
3. WhatsApp ist nicht gottgegeben
WhatsApp gehört zu Meta. Meta lebt nicht vom freundlichen Austausch unter Menschen, sondern von Daten, Aufmerksamkeit und Werbung. Wer es privater mag, kann sich Threema aus der Schweiz ansehen. Verschlüsselt, datensparsam, ohne Telefonnummer nutzbar. Der Haken: Die anderen müssen mitmachen. Und da beginnt bekanntlich das eigentliche IT-Problem: der Mensch.
4. Übersetzen mit DeepL
Für Übersetzungen muss es nicht immer Google oder ChatGPT sein. DeepL kommt aus Köln und übersetzt erstaunlich gut. Gerade bei Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und anderen europäischen Sprachen ist DeepL oft sehr brauchbar. Für normale Texte reicht die kostenlose Version häufig aus.
5. E-Mail aus Deutschland
Gmail und Outlook.com sind praktisch, binden einen aber wieder an Google oder Microsoft. Deutsche Alternativen heißen zum Beispiel Mailbox.org, Posteo oder Tuta. Die kosten teilweise ein paar Euro im Monat, sind dafür aber werbefrei, datenschutzfreundlicher und meist klarer im Geschäftsmodell. Kostenlos ist im Internet selten wirklich kostenlos. Bezahlt wird dann eben anders.
6. LibreOffice statt Microsoft Office
Nicht jeder braucht Word, Excel und PowerPoint im Abo. LibreOffice ist kostenlos und reicht für viele Briefe, Listen und einfache Tabellen völlig aus. Bei komplizierten Word-Dateien kann es knirschen, aber für den Hausgebrauch ist es oft mehr als genug. Ein Brief an die Hausverwaltung braucht keine Cloud-Strategie aus Redmond.
7. Echtzeitüberweisung statt PayPal
PayPal ist bequem, aber auch wieder ein US-Dienst. Die gute alte Banküberweisung wird durch Echtzeitüberweisungen interessanter: Geld ist in wenigen Sekunden beim Empfänger. Auch europäische Dienste wie Wero oder Klarna können je nach Fall eine Alternative sein. Man muss nur aufpassen, dass aus „später bezahlen“ nicht „später bereuen“ wird.
8. Navigation ohne Google Maps
Google Maps ist stark. Keine Frage. Aber TomTom aus den Niederlanden, Here WeGo oder OpenStreetMap können ebenfalls ans Ziel führen. Vielleicht nicht immer mit Restaurantkritik, Parkplatzorakel und Weltbeherrschungsgefühl, aber für viele Fahrten reicht es.
9. Andere Browser und Suchmaschinen ausprobieren
Chrome ist nicht das Internet. Es ist nur ein Browser. Alternativen sind Firefox oder Vivaldi. Auch bei der Suche muss es nicht immer Google sein. Ecosia, Startpage oder DuckDuckGo kann man einfach mal testen. Der Rechner explodiert dabei nicht.
10. Nicht missionieren. Einfach anfangen.
Digitale Unabhängigkeit heißt nicht, alles Amerikanische sofort zu verbannen. Das wäre im Alltag oft umständlich und manchmal albern. Aber man kann bewusster auswählen. E-Mail, Browser, Suche, Office, Messenger, Bezahlen, Einkaufen – überall gibt es kleine Stellschrauben.
Man muss nicht gleich die digitale Revolution ausrufen.
Es reicht, nicht überall automatisch auf denselben Knopf zu drücken.
Und genau dabei hilft PCDOKTOR: Wir beraten verständlich, richten sinnvolle Alternativen ein, übertragen E-Mails, installieren Programme, sichern Daten und erklären, was wirklich praktikabel ist.
Ohne Fachchinesisch. Ohne Ideologie. Und ohne den Computer aus dem Fenster zu werfen.
