Der moderne Bankräuber trägt keine Sturmhaube mehr. Er verschickt E-Mails.
Früher war die Sache einfach.
Wer eine Bank ausrauben wollte, brauchte eine Maske, einen Fluchtwagen und eine gehörige Portion Mut. Heute genügt oft ein Laptop, eine gefälschte E-Mail und ein wenig Menschenkenntnis.
Die meisten Menschen stellen sich Cyberkriminelle als hochbegabte Hacker vor, die sich mit atemberaubender Geschwindigkeit durch fremde Computersysteme kämpfen. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus.
Nicht die Technik wird angegriffen.
Der Mensch wird angegriffen.
Die Betrüger wissen: Es ist viel einfacher, jemanden dazu zu bringen, sein Passwort freiwillig preiszugeben, als eine Bank zu hacken.
Deshalb beginnt der Angriff häufig mit einer harmlos wirkenden Nachricht:
- „Ihr Konto wurde gesperrt.“
- „Bitte bestätigen Sie Ihre Daten.“
- „Es liegt ein Problem mit Ihrer TAN vor.“
- „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden.“
- „Ihr PayPal-Konto muss verifiziert werden.“
Die Nachrichten sehen oft täuschend echt aus. Logos, Farben und Formulierungen entsprechen dem Original. Selbst erfahrene Internetnutzer geraten gelegentlich ins Grübeln.
Wer auf den enthaltenen Link klickt, landet auf einer perfekt nachgebauten Internetseite. Dort werden Benutzername, Passwort und manchmal sogar die TAN abgefragt.
Und genau in diesem Moment schnappt die Falle zu.
Die Daten landen nicht bei der Bank, sondern direkt bei den Betrügern.
Die große Lebenslüge der Virenschutzindustrie
Viele Menschen glauben noch immer, die größte Gefahr im Internet seien Viren und Trojaner.
Deshalb kaufen sie Jahr für Jahr eine Sicherheitssoftware. Wie eine Versicherung. Frei nach dem Motto:
„Ich habe doch einen Virenscanner. Mir kann nichts passieren.“
Das beruhigt.
Leider schützt es nicht vor Leichtsinn.
Die Erfahrung aus über 30 Jahren Computer-Service beim PCDOKTOR in Frankfurt zeigt etwas Erstaunliches:
Echte Virusinfektionen sind bei unseren Kunden heute selten geworden.
Die Betriebssysteme sind sicherer geworden. Die Browser sind sicherer geworden. Auch die integrierten Schutzmechanismen von Windows leisten inzwischen gute Arbeit.
Was wir dagegen regelmäßig sehen, sind ganz andere Fälle:
- Kunden geben ihre Zugangsdaten auf gefälschten Bankseiten ein.
- Kunden bestätigen Überweisungen, die sie gar nicht verstehen.
- Kunden klicken auf Links in SMS-Nachrichten.
- Kunden glauben angeblichen Paketdiensten.
- Kunden vertrauen fremden Anrufern, die sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgeben.
Kein Virenscanner der Welt kann davor schützen.
Denn der Computer wird nicht überlistet.
Der Mensch wird überlistet.
Man könnte es etwas böse formulieren:
Viele Menschen kaufen sich einen Virenschutz als Versicherung gegen ihre eigene Unaufmerksamkeit.
Das Problem dabei: Diese Versicherung zahlt nicht aus.
Wer seine Bankdaten freiwillig auf einer gefälschten Internetseite eingibt, wird nicht Opfer eines Computervirus. Er wird Opfer eines Betrügers.
Und gegen Betrüger hilft vor allem eines:
Misstrauen.
Die wichtigste Sicherheitssoftware sitzt vor dem Bildschirm
Besonders perfide sind inzwischen gefälschte SMS, WhatsApp-Nachrichten und E-Mails.
Angeblich schreibt die Bank.
Angeblich schreibt die Tochter.
Angeblich schreibt DHL.
Angeblich schreibt PayPal.
Tatsächlich sitzt irgendwo ein Betrüger und hofft darauf, dass jemand gestresst ist, in Eile ist oder einen schlechten Tag hat.
Die wichtigste Sicherheitssoftware ist deshalb nicht Norton, McAfee oder sonst irgendein Programm.
Die wichtigste Sicherheitssoftware sitzt vor dem Bildschirm.
Und sie heißt:
Gesunder Menschenverstand.
Unsere Empfehlungen
- Niemals Passwörter per E-Mail versenden.
- Niemals auf Links in angeblichen Bank-Nachrichten klicken.
- Die Internetseite der Bank immer selbst aufrufen.
- TANs niemals telefonisch weitergeben.
- Bei Zeitdruck besonders misstrauisch werden.
- Im Zweifel lieber einmal mehr bei der Bank oder beim PCDOKTOR nachfragen.
Denn die meisten digitalen Bankräuber knacken keine Computer.
Sie knacken Vertrauen.
Oder wie ein Finanzexperte es formulieren würde:
Der moderne Bankräuber trägt keine Sturmhaube mehr. Er verschickt E-Mails.
