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Fake News – auch von Amts wegen

 

Habe Sie schon einmal etwas von Psychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, gehört? Sie geht davon aus , dass jeder Mensch sich anhand von fünf Persönlichkeits-Dimensionen vermessen lässt: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und Verletzlichkeit. Mit dieser Methode soll Donald Trump seine Wahl gewonnen haben: Eine Heerschar von Helfern versandte ganz gezielt an bestimmte Zielgruppen, die anhand von solchen Persönlichkeitsmerkmalen klassifiziert wurden, wahlweise bestätigende oder abschreckende Nachrichten – unter anderem auch Fake-News (Falschmeldungen), etwa um die Anhänger von Hillary Clinton davon abzuhalten, zur Wahl zu gehen. Beim Thema Fake News scheint Trump ja sowieso Spezialist zu sein, wie seine Ausfälle gegen CNN beweisen.

Ähnliches befürchten verschiedene Parlamentsabgeordnete jetzt auch in Deutschland. Vor allem russische Geheimdienste stehen im Verdacht, Einfluss auf die Wahlen anderer Länder zu nehmen. Die SPD ruft die demokratischen Parteien zum Schulterschluss im Kampf gegen Falschinformationen auf. Bei Zweifeln an der Echtheit von Informationen solle auf Attacken gegen den politischen Gegner verzichtet werden, sagte SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel.

Ob sich alle dran halten? Zweifel sind angebracht. Denn genau diese Politiker sind es, die schon jahrelang der Autoindustrie bei der Abgasmanipulation zuschauen, die möglicherweise selbst als Lobbyisten arbeiten und die jedes Jahr die Arbeitslosenstatistik durchwinken – die eine einzige Falschmeldung ist, wie der Uni-Professor Mohssen Massarat aus Osnabrück in einem Leserbrief an die FR nachweist. Seine Argumente:

  • Seit 1986 wurde die Berechnungsmethode sage und schreibe 17 Mal geändert, und jedes Mal wurden es – oh Wunder – weniger Arbeitslose.
  • Heute werden 2,5 Millionen Arbeitslose ausgewiesen. Nicht mitgezählt wurden dabei allerdings 74 866 Personen, die augenblicklich krank gemeldet sind, 173 782 Arbeitslose, die gerade eine Fortbildung machen, und, besonders zynisch, 160 834 Menschen, die über 58 Jahre alt sind (schwer vermittelbar, so die Begründung!), ferner 87 668 Ein-Euro-Jobber, die bei kommunalen Einrichtungen arbeiten, um ihr Arbeitslosengeld aufzustocken, und dergleichen mehr. Alle diese Gruppen werden unter dem Begriff „Unterbeschäftigte“ zusammengefasst.
  • Summa Summarum sind es also statt 2,5 tatsächlich rund 3,5 Millionen Arbeitslose, statt 5,7 Prozent in Wirklichkeit 7,8 Prozent.

Das erfüllt den Tatbestand der Falschmeldung von Amts wegen. Mit daran Schuld ist allerdings auch die Mentalität, für nichts mehr irgendetwas zahlen zu wollen. Man kann gegen den klassischen Journalismus eine Menge Einwände haben, aber nur Institutionen wie Spiegel, Zeit und unabhängige Tageszeitungen oder Web-Portale können aus der Flut der Fake News, die von Arbeitsämtern, Behörden, Fußballvereinen, Präsidentschafts-Kandidaten, Parteien, Geheimdiensten und Lobbyisten aller Art in die Welt gepustet werden, einigermaßen die Wahrheit herausfiltern. Und seriöser Journalismus kostet Geld – das jeder einzelne von uns investieren sollte. Wohlinformiertheit aus seriösen Quellen ist nach wie vor die einzige Methode, keinen Fake News aufzusitzen und realistisch auf die Welt zu blicken. Und auf deren Lügen.

 

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